Der neu aufgesetzte AFC Vertrag

Die Baltimore Ravens ziehen erstmals seit 12 Jahren in die Super Bowl ein, indem sie das beste Team der letzten 12 Jahre besiegen. Mehr als verdient sogar.

Autor:
Marko Markovic

Wohin geht die Reise der Patriots jetzt? (Foto © Allen Kee / ESPN Images)

Dabei war ihr Angstgegner-Status nicht neu: Die Patriots haben in den letzten Jahren vermehrt mit den Ravens Probleme, die sie mit anderen Teams nicht haben. Man merkt das an den Einstellungen der Spieler während dem Spiel. Man merkt es an der Intensität. Man merkt es an der mehr als respektvollen, fast schon eingeschüchterten Art wie Bill Belichick und Tom Brady in Dokus über Hall of Famer wie Ed Reed reden.

Man merkt es an der Art, wie Brady versucht Reed per Chuck Norris Methode aus dem Spiel zu befördern.

Kurz vor Halbzeit kollabierte die alljährlich perfekte Patriots-Welt: Brady scrambelt und empfängt den heranstürmenden Reed mit einem Slide, bei dem sein Fuß etwa einen Meter über dem Boden „rutscht“. Es war sehr, sehr windig in Foxborough. Vielleicht war es der Wind, der Bradys Fuß nach oben zog, es kann ja sein. Reed stolpert, steht auf, kurz hatte man das Gefühl einen ganz, ganz ewig unausgesprochenen Vertrag verletzt zu sehen. Brady, der Quarterback, der für so viele „QBs darf man nicht anfassen“-Regeln der letzten Jahre mitverantwortlich ist, erhält natürlich keine Flag, weil Hall of Fame Safeties nunmal keine Hall of Fame QBs sind. Brady, der Quarterback der ausgefinkeltesten und flottesten Offense der NFL macht das was er am besten kann: Mit 18 Sekunden auf der Uhr versucht er noch einen Play loszuwerden, um die Führung auf zehn Punkte auszuweiten. Andere Teams spiken oder nehmen das Timeout, aber Brady und Belichick sind genau deshalb so berüchtigt, weil sie nicht wie andere Teams denken.

In einem absurden Moment, der auch einen ganz, ganz ewig unausgesprochenen Vertrag verletzt, „scheitert“ Brady in seinem Versuch, einen play zu kommunizieren und nimmt das FG zum 13-7. Da hört das Spiel quasi auf. Die Ravens legten alles nach, was man von ihnen erwartet hat, einen flotten Ray Rice, einen unfassbaren Anquan Boldin, einen Joe Flacco, der Bomben warf (nur diesmal windbedingt etwas flacher als sonst), einem Ray Lewis,  der Ray Lewis war, Tränen bei der Hymne, 14 Tackles, this is how we do things around here. Bernard Pollard beförderte wieder einen Patriots aus dem Spiel, was schlichtweg einer kosmischen Verschwörung gleichkommt.

Aber statt Verschwörung sollte es vielleicht eher Vertrag heißen. Ein Jahr nachdem die Ravens ihre divisionale Hoheit über Pittsburgh endgültig zementiert haben, machten sie in dem Spiel gestern klar, dass der neue Vertrag der ist, dass sie neben und mit den Patriots die wichtigste AFC Dynastie der letzten und kommenden Jahre sind. Die Kernidentitäten beider Teams sind mit Fragezeichen versehen, die Ravens Defense wird wie die Pats Offense älter, keine Frage. Aber derzeit wird die Ravens Offense schneller erwachsen als die Pats Defense, was heuer zu einer vielleicht richtungsweisenden Neu-Aufsetzung des AFC-Vertrags führte.

Die Patriots müssen aufpassen, nicht bald à la Steelers das Nachsehen als Grundgefühl zu unterschreiben.