Black Monday - kein Tag wie jeder andere

Am heurigen Black Monday fand das bereits obligatorische HC-Köpferollen in New York, Chicago, San Francisco und Atlanta statt. In Oakland und Buffalo gibt es noch Wackelkandidaten.

Verfasst am 29.12.2014 um 21:48
von Jan Zsifkovits (@janzsifko2)

Rex Ryan (li.) musste seinen Trainerstuhl bei den Jets räumen und Mike Smith (re.) den seinen in Atlanta. (Foto © Phil Ellsworth / ESPN Images)

Die Regular Season endet seit Jahren traditionell mit der Woche 17. Die gesamte Liga richtet sich in Richtung Playoffs. Fans, Spieler und Coaches freuen sich auf einen heißen Jänner mit spektakulären Spielen und einen denkwürdigen Superbowl. Doch zwischen Regular Season und den Playoffs gibt es noch den einen, für viele gefürchteten, Montag – den „Black Monday“. An diesem ersten Tag nach der Regular Season wird jedes Jahr über Jobs von Coaches und General Managers bestimmt. Vor allem bei Mannschaften, denen Erwartungen nicht gerecht wurden. So kam es auch am heurigen Black Monday zu einigen interessanten Entscheidungen, die von der NFL Gemeinschaft unterschiedlich aufgenommen wurden.

New York Jets

Die Spekulationen, dass Head Coach Rex Ryan (46-50 Record bei den Jets) kein Teil der Organisation sein könnte, gab es nicht nur im heurigen Jahr. Dass die Entlassung Ryans gemeinsam mit der von GM John Idzik kam, war auch keine große Überraschung. Für Ryan, der einen steilen Aufstieg bei den Jets erlebte und in seinen ersten beiden Jahre zwei AFC Conference Finalspiele erleben durfte, sprach nach einer weiteren verpatzten Saison im Big Apple nicht mehr vieles. Gemeinsam mit Idzik versäumte er es den großen Spielraum der Cap Space und etlichen guten Draft Picks keine schlagkräftige Truppe zu formen und muss nun mit den Konsequenzen leben. Trotzdem hat es Ryan noch nicht aufgegeben einen Job als Head Coach in der Liga zu ergattern. Sollte ihm dieses Unterfangen nicht gelingen, so strebe er Gerüchten zufolge eine Karriere im TV an.

Chicago Bears

Wie die New York Jets feuerten auch die Chicago Bears ihren Head Coach, sowie den General Manager. Marc Trestman (13-19 über zwei Saisonen) und Phil Emery müssen ihre Büros für ihre Nachfolger räumen. Vor allem eine Person wird immer wieder mit Entlassungen in Chicago in Verbindung gebracht: Jay Cutler. Seit seiner Ankunft 2009 erlebte er nicht weniger als vier Offensive Coordinators, zwei Head Coaches und zwei General Manager. GM Emery wird vor allem der Monster-Vertrag Cutlers vorgeworfen, der dem launischen Quarterback 126.7 Mio Dollar über sieben Jahre einbringen soll. Nachdem Cutler seinen Erwartungen wieder einmal hinterherhinkte, wurde die Kritik gegenüber Emery immer größer, da man ihn unter diesen Umständen auch nur schwer an ein anderes Team anbringen könne. Coach Mark Trestman wurde als Bears Trainer installiert, um die Offensive der Mannschaft zu fixieren und in der Liga zu etablieren. Mit Waffen wie Brandon Marshall, Alshon Jeffery oder Matt Forté sollte diese Aufgabe auch durchwegs zu lösen gewesen sein, jedoch konnte er eine immer schwächelnde Defensive nicht auf Vordermann bringen und kam deshalb auch noch nicht in den Genuss, eine Winning Season in der NFL zu erleben. Sechs Niederlagen in Serie zum Abschluss der heurigen Regular Season waren am Ende um 3-5 zu viele, um eventuell noch über ein drittes Jahr mit Trestman als Head Coach der Bears nachzudenken. Zusätzlich musste auch noch Offensive Coordinator Aaron Kromer gehen.

San Francisco 49ers

Die Medien waren sich schon vor einigen Wochen einig – Jim Harbaugh geht wieder zurück zu seiner alten Liebe nach Michigan. Bei den Wolverines war einst drei Jahre lang Starting Quarterback und führte sein Team 1985 zu der prestigeträchtigen Fiesta Bowl. Und laut Aussagen der Universität soll er schon am Dienstag zum bestbezahltesten College Head Coach des Landes vorgestellt werden. Trotzdem tauchten Gerüchte auf, dass Harbaugh doch noch von einigen Teams aus der NFL „zum Bleiben“ überredet werden solle. Unter diesen Teams sollen sich möglicherweise die Oakland Raiders, New York Jets und Chicago Bears befinden. In seiner Zeit von 2011-2014 führte er die 49ers zu drei NFC Conference Finalspielen und einer Superbowl im Jahre 2012, die man bekanntlich gegen die Baltimore Ravens verlor. Nachdem die Führungsetage der 49ers aber schon lange von Harbaughs Flirt mit Michigan Bescheid wusste, begab man sich schon frühzeitig auf die Suche nach einem Nachfolger. Dabei dürften Todd Bowles (Defensive Coordinator, Arizona Cardinals) und Dan Quinn (Defensive Coordinator, Seattle Seahawks) schon in der kommenden Woche zu Gesprächen eingeladen werden.

Atlanta Falcons

Falcons-Owner Arthur Blank beteuerte, dass es die schwierigste Entscheidung seines Lebens war, Mike Smith zu entlassen. Nach einer weiteren verpatzten Saison sah er aber einen Wechsel nötig, um in der nächsten Saison nicht nur um den Titel in der NFC South mitzuspielen, sondern auch wieder einen Record über .500 zu erreichen. Bevor Mike Smith das Ruder der Falcons übernahm, gelang es keinem Trainer in der Geschichte der Franchise einen Winning Record in aufeinanderfolgen Saisonen zu erzielen. In den ersten fünf Saisonen unter Smith gelang dies auf Anhieb auch in ebenso vielen Spielzeiten. Sein einziges Manko: ein 1-4 Playoff Record mit dem Höhepunkt 2012, als man das NFC Championship Game erreichte und dort den San Francisco 49ers unterlag. Arthur Blank hat nun eine Gruppe beauftragt, die sich um die Suche nach einem neuen Coach kümmern soll. Ob Smith in der kommenden Saison bei einem anderen Team unterkommen wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Oakland Raiders

Tony Sparano übernahm nach nur vier Spielen die Geschicke als interimistischer Head Coach der Oakland Raiders. Dabei sprangen drei Siegen und neun Niederlagen für den 53-Jährigen raus. Keine überzeugende Bilanz für einen Trainer in der NFL, trotzdem ist über sein Schicksal bei den Raiders noch nicht entschieden. Vor allem nach der vermeintlichen Absage von Jim Harbaugh soll es weitere Gespräche mit der Führungsetage der Raiders in den kommenden Tagen geben.

Buffalo Bills

In seinem zweiten Jahr als Trainer der Buffalo Bills konnte Doug Marrone eine sehr akzeptable 9-7 Saison mit seinem Team erreichen. Da es aber bei den Bills zu einem Ownershipwechsel in der kommenden Offseason kommt, ist auch sein Arbeitsplatz nicht zu 100% gesichert. Desweiteren soll er eine ab heute geltende drei Tage andauernde Ausstiegsklausel in seinem Vertrag besitzen. Ein Wechsel des Head Coaches würde in diesem Fall jedoch für einiges an Kopfschütteln sorgen.

Neben den zahlreichen Trainerwechseln in der NFL wurden einige Jobs für die nächste Saison aber auch schon bestätigt. So dürfen Tom Coughlin (New York Giants), Joe Philbin (Miami Dolphins) und Mike Pettine (Cleveland Browns) weiterhin die Geschicke ihrer Teams leiten. Ebenso wurde Ray Farmer, GM der Browns, das Vertrauen ausgesprochen. Zu den entlassenen Coaches und GMs gesellte sich heute aber auch ein Spieler, der künftig der NFL den Rücken zukehrt. Kyle Orton, in diesem Jahr Quarterback der Buffalo Bills, entschied sich, nach 10 Jahren American Football auf professioneller Ebene, etwas kürzer zu treten, um sich nun mehr seiner Familie widmen zu können.

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